Chronik rechter Gewalt.

Die Grundlage der bayernweiten Chronik bilden Vorfallsmeldungen, Mitteilungen verschiedener Kooperationspartner, sowie eine regelmäßige Auswertung von Zeitungen, Polizeimeldungen und Internetquellen. Darüber hinaus finden auch Vorfallsschilderungen von Beratungsnehmer*innen hier Platz, sollte das gewünscht sein.

Die Chronik ist unvollständig. Sie enthält lediglich die Vorfälle rechter Gewalt in Bayern, die B.U.D. bekannt wurden. Grundsätzlich gelten für die Chronik die gleichen Erfassungskriterien wie für die Statistik, die B.U.D. führt. Darüber hinaus können auch Beschimpfungen, Schmierereien und einfache Sachbeschädigungen Eingang in die Chronik von B.U.D. finden, wenn von einer rechten Tatmotivation auszugehen ist und eine bestimmte Entwicklung rechter Strukturen dadurch deutlich wird.

Vorfälle rechter Gewalt, bei denen die Betroffenen eine Veröffentlichung nicht wünschen, werden in dieser Chronik auch nicht öffentlich gemacht. In unserer Jahresstatistik werden hingegen alle erfassten Fälle rechter Gewalt einfließen.

Neben der bayernweiten Chronik von B.U.D. findet sich unter www.muenchen-chronik.de eine dezidierte Sammlung aller in München bekannt gewordener Vorfälle rechter Angriffe, Aktivitäten und Diskriminierungen. Bei der München-Chronik handelt es sich um ein Gemeinschaftsprojekt der FIRM, a.i.d.a. und BEFORE. Darüber hinaus gibt es ein bayernweites Monitoring von antisemitischen Vorfällen durch RIAS Bayern. Die entsprechende Chronik von RIAS Bayern findet sich hier.

Hinweis: Die Chronik versucht keinen zeitlich chronologischen Überblick zu geben, da es oftmals mehrere Monate oder gar Jahre dauert, bis uns bestimmte Vorfälle rechter Gewalt bekannt werden. Daher ist die Chronik nach Einstelldatum sortiert. Im jeweiligen Chroniktext selbst steht jedoch das entsprechende Vorfallsdatum. Hierdurch wird deutlich, wie lange es manchmal dauert, bis wir von einzelnen Vorfällen erfahren.

Antisemitischer Angriff am Bahnhof

Am 10.10.2025 beleidigte ein bislang unbekannter Mann mehrere Reisende und äußerte antisemitische Parolen. Zeug*innen berichteten, dass der Mann anschließend mehrere Glasflaschen in Richtung des gegenüberliegenden Bahnsteigs warf und dadurch Menschen gefährdete.

Nach der Tat stieg der Mann in die S6 in Richtung Zorneding ein.

Die Bundespolizei ermittelt wegen Volksverhetzung, Beleidigung und gefährlicher Körperverletzung und bittet Zeug*innen um Hinweise.

Quelle:

Augsburger Allgemeine
https://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/bahnhof-starnberg-mann-aeussert-antisemitische-parolen-und-wirft-mit-glasflaschen-112505628

Busfahrer beleidigt Fahrgästin rassistisch

Am 11.11.2025 kam es in einem Bus des RVV (Regensburger Verkehrsverbund) zu einem rassistischen Vorfall, bei dem ein Busfahrer eine Fahrgästin verbal herabwürdigte und rassistisch beleidigte.

Zudem öffnete der Fahrer einem wartenden Mann die Tür nicht, was die Zeugin ebenfalls als diskriminierend einordnete. Nur wenige weitere Fahrgäst*innen reagierten auf das rassistische Verhalten des Busfahrers. Die Zeugin wandte sich anschließend u.a. an B.U.D. Bayern, um den Vorfall zu melden und Unterstützung für weitere Schritte – darunter eine Beschwerde beim RVV – zu erhalten.

Quelle: Zeugin

Angriff im Zug

Am 08.07.2025 war die Betroffene im RE von Sachsen zu ihrem bayerischen Wohnort unterwegs. Sie setzte sich beim Einstieg in Chemnitz einem Mann und einer Frau in einem Vierersitz gegenüber. Der Mann trug eine Kette mit einem verfassungsfeindlichen Symbol. Als er wahrgenommen hat, dass die Betroffene dies bemerkt hatte, verdeckte er die Kette. Das Pärchen machte sich in Zwickau zum Aussteigen bereit. Kurz vor dem Aussteigen setzte sich dieser Mann der Betroffenen noch einmal gegenüber und spuckte ihr ins Gesicht. Die Betroffene hat daraufhin Anzeige erstattet.

Quelle: Betroffene Person

Rassistisch motivierter Angriff in Regionalzug: Frau in Ingolstadt geschlagen

Am 04.09.2025 wurde eine 39-jährige Frau während einer Zugfahrt von Nürnberg nach Ingolstadt Ziel eines rassistisch motivierten Angriffs. Nach Angaben der Polizei begann ein 29-jähriger Mann, rassistische und diskriminierende Aussagen zu tätigen. Als die Frau ihn aufforderte, diese Äußerungen zu unterlassen, reagierte er mit massiven Beleidigungen und schlug ihr zweimal mit der Faust ins Gesicht.

Mitreisende griffen beherzt ein und hielten den Angreifer bis zum Eintreffen der Polizei fest. Gegen ihn wurden Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung und Beleidigung eingeleitet. Der Zug stand zu diesem Zeitpunkt am Hauptbahnhof Ingolstadt.

Der Angriff zeigt erneut, wie schnell aus rassistischen Äußerungen körperliche Gewalt werden kann und wie wichtig solidarisches Handeln im öffentlichen Raum ist. Die betroffene Frau wurde durch ihr couragiertes Eingreifen selbst Ziel der Gewalt, weil sie sich gegen menschenfeindliche Aussagen stellte.

Quelle:

Verlag Nürnberger Presse
https://www.nn.de/region/fausthiebe-ins-gesicht-nach-rassismus-vorwurf-mann-schlagt-frau-in-zug-aus-nurnberg-1.14822049

Rassistischer Angriff gegen Betreiber*innen eines Lokals

In der Nacht zum Samstag, den 13.09.2025, kam es in in einem Lokal in Hof zu einem gewalttätigen rassistisch motivierten Angriff. Ein 39-jähriger Mann aus dem Landkreis Hof fiel durch aggressives Verhalten und rassistische Parolen auf.

Ohne erkennbaren Anlass äußerte der Mann im Raucherbereich rassistische Beschimpfungen. Als das Betreiber*innenpaar ihn aufforderte, die Veranstaltung zu verlassen, eskalierte die Situation. Der Mann schlug auf Mobiliar ein, bedrohte die Betreiber*innen mit dem Tod und griff sie körperlich an.

Die herbeigerufene Polizei nahm den Angreifer in Gewahrsam. Auch gegenüber den Beamt*innen verhielt er sich weiter aggressiv und beleidigte sie. Die Betroffenen des Angriffs – das Betreiber*innenpaar des Lokals – wurden Ziel von rassistischer Hetze, Gewalt und Bedrohung in ihrem eigenen Arbeitsumfeld. Der Täter ist inzwischen wieder auf freiem Fuß, muss sich jedoch strafrechtlich verantworten.

Quelle:

Frankenpost
https://www.frankenpost.de/inhalt.hofer-eventlokalitaet-mann-bedroht-gastwirte-und-beleidigt-polizisten.e105cf4a-db6e-4d70-80d3-58a53f70bb81.html

Rassistische Gewalt in Würzburg: Kinder in Straßenbahn angegriffen

In der Würzburger Innenstadt kam es am 03.09.2025 zu einem rassistisch motivierten Angriff. Ein älterer Mann beleidigte in einer Straßenbahn drei Kinder im Alter von zwölf und 13 Jahren und schlug eines von ihnen.

Nach Medienberichten hatte der Mann die Kinder zuvor aufgefordert, ihre Musik leiser zu stellen – was diese auch taten. Trotz ihres Entgegenkommens hat der Mann eines der Kinder körperlich angegriffen.

Die Polizei geht nach ersten Erkenntnissen von einem rassistischen Motiv aus, da der Täter auch rassistische Äußerungen getätigt habe.

Quellen:

Main-Post
https://www.mainpost.de/wuerzburg/stadtwuerzburg/wuerzburg-rentner-beleidigte-kinder-polizei-sucht-nun-nach-zeugen-110700340

jungle.world
https://jungle.world/artikel/2025/37/deutsches-haus-37-38/2025

Rassistische Beleidigung im Zug

Die Betroffene saß am 14.09.2025 mit ihrer 8-jährigen Tochter im Zug der DB, als ein ihr unbekannter Mann sie auf Russisch ansprach. Er beleidigte sie rassistisch sowie antimuslimisch und forderte sie auf, das Land zu verlassen. Die Betroffene verstand, was der Mann sagte, da sie ebenfalls Russisch spricht. Da die Betroffene und der Täter im selben Ort leben, werden sie sich womöglich weiterhin begegnen. Die Betroffene erstattete Anzeige.

Quelle: Betroffene

Rassistischer Angriff auf eine Joggerin

Am 21.07.2025 war eine Joggerin östlich des Auensees unterwegs, als sie auf einen unbekannten Radfahrer traf, der die Frau beim Aufeinandertreffen unvermittelt rassistisch beleidigte. Weitergehend spuckte er der Betroffenen ins Gesicht und versuchte mit einem Stock nach ihrem Hund zu schlagen. Anschließend floh er mit seinem Fahrrad.

Die Kriminalpolizei Erlangen leitete entsprechende Ermittlungen ein und bittet um Hinweise zur Ergreifung des Täters.

Quelle:

Polizeimeldung
https://www.polizei.bayern.de/aktuelles/pressemitteilungen/088503/index.html

Rechte Symboliken und bedrohliche Provokationen im Jugendtreff

Mitarbeitende eines Jugendtreffs finden nach dem Wochenende vom 01.08. – 03.08.2025 neben dem Haupteingang die – vermutlich mit einem Sturmfeuerzeug eingebrannte – Jahreszahl 1945 sowie ein Hakenkreuz und den Namen einer Mitarbeiterin an der Hauswand.

Die gleichen Symboliken und der Name wurden auch in einem Holztisch bemerkt, der sich auf dem Vorplatz des Jugendtreffs befindet; ebenfalls eingebrannt. Die Mitarbeitenden vermuten, dass es jugendliche Besucher*innen des Jugendtreffs sein könnten, da es am 01.08.2025 tagsüber im Treff noch ein Gespräch zu rechten und verfassungswidrigen Symboliken und der Strafbarkeit u.a. des Hitlergrußes gegeben habe. Das Team vermutet daher eine persönliche Provokation der Mitarbeiterin und sieht das Wohlbefinden und die Sicherheit einiger Jugendtreff-Besucher*innen und der Mitarbeitenden in Gefahr.

Quelle: Betroffene Mitarbeiterin

Allgäuer Festwoche 2025 – rechte Gewalt in Kempten

Während der Allgäuer Festwoche 2025 (10.-11.08.2025) kam es erneut zu mehreren rechten Straftaten. Unbekannte spielten unter anderem das verbotene Horst-Wessel-Lied ab und riefen mehrfach NS-Parolen wie „Sieg Heil“. In einem Fall wurde ein Anwohner mit einer Glasflasche beworfen, nachdem er eine Person angesprochen hatte – mutmaßlich in Verbindung mit verfassungswidrigen Parolen. Der Anwohner konnte der Flasche knapp ausweichen. Die Polizei ermittelt aktuell wegen mehrfacher Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole sowie wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung. Das selbstverwaltete Jugendzentrum react!OR, das bereits im Vorjahr gezielt attackiert wurde, war auch dieses Jahr wieder von einzelnen Vorfällen betroffen.

Ergänzung zum Horst-Wessel-Lied:
„Horst Wessel war Sturmführer der SA, der paramilitärischen Kampforganisation der NSDAP, Verfasste das nach ihm benannte Lied, das nach seinem Tod zur Hymne von Hitlers Partei, später gar zur zweiten Nationalhymne des Nationalsozialismus wurde. Nach seiner Tötung durch Mitglieder der KPD wurde Wessel von der NS-Propaganda zum »Märtyrer der Bewegung« stilisiert.“ (Quelle: Allgäu ⇏ rechtsaußen)

Quelle:

Allgäu ⇏ rechtsaußen
https://allgaeu-rechtsaussen.de/2025/08/26/kempten-allgaeuer-festwoche-ns-hymne-hitlergruesse-und-angriff-auf-anwohner/

Süddeutsche Zeitung
https://www.sueddeutsche.de/kultur/ns-mythos-horst-wessel-der-saenger-des-herrenvolkes-1.908564