Rechte Morde in Bayern

Erinnerung an Theodoros Boulgarides

Erinnerung an Theodoros Boulgarides

Wir erinnern an Theodoros Boulgarides, der am 15.06.2005 in seinem Geschäft im Münchner Westend von der rechtsextremen Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ erschossen wurde.

Erst kurz zuvor hatte der zweifache Familienvater mit einem Geschäftspartner den Schlüsseldienst eröffnet. Für seine Familie und seine Freunde wurden die Mord-Ermittlungen zur Tortur. Statt einen rechten Tatzusammenhang zu untersuchen, verdächtigte die Polizei über Monate das persönliche Umfeld des Mordopfers und suchte das Motiv in der organisierten Kriminalität. Die Familie wurde infolge der Anschuldigungen ausgegrenzt, ihr gesellschaftliches Umfeld brach weg. Dies verdeutlicht erneut die fatalen Folgen der rassistischen Täter-Opfer-Umkehr, die die Ermittlungen im gesamten NSU-Komplex prägt.

An der Hauswand des Tatorts in der Trappentreustraße erinnert heute eine Gedenktafel an Theodoros Boulgarides.

Gedenkveranstaltung

Am 15.06.2025 findet eine Gedenkveranstaltung der Familie und der Stadt München ab 12:00 Uhr bis voraussichtlich 18:00 Uhr auf dem Stachus in München statt (Quelle: NSU-Watch).

Erinnerung an İsmail Yaşar

Erinnerung an İsmail Yaşar

Wir erinnern an İsmail Yaşar, der am 09.06.2005 in seinem Imbiss an der Scharrerstrasse in Nürnberg von der rechtsextremen Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ erschossen wurde. İsmail Yaşar war das sechste Opfer des NSU.

İsmail Yaşar wurde in Alanyurt in der Türkei geboren und kam im Alter von 23 Jahren nach Deutschland. Er hatte bereits in verschiedenen Stellen gearbeitet, bevor er seinen eigenen Imbiss eröffnete – genau gegenüber der Scharrerschule, die damals auch sein Sohn besuchte.

Obwohl es etliche Hinweise auf einen rechten Hintergrund des Mordes gab, verdächtigten die Behörden lange Zeit Familienangehörige und suchten vergeblich Verbindungen zur organisierten Kriminalität. Die Ermittlungen im Mordfall İsmail Yaşar sind damit ein weiteres Beispiel für institutionellen Rassismus, der sich durch den gesamten NSU-Komplex zieht.

Gedenkkundgebung
Am 09.06.2025 findet um 18:00 Uhr eine Gedenkkundgebung an der Scharrerstraße statt, organisiert von der Nürnberger Initiative „Das Schweigen durchbrechen“.

Erinnerung an Andreas Pietrzak

Erinnerung an Andreas Pietrzak

Wir erinnern an Andreas Pietrzak, der in der Nacht zum 6. Mai 2006 in Plattling von einem Neonazi ermordet wurde. Der 19-jährige Täter hatte ihn schwer misshandelt und anschließend angezündet.

Der damals wohnungslose Andreas Pietrzak, der die deutsche und polnische Staatsbürgerschaft hatte, wurde aus rassistischen und sozialdarwinistischen Gründen getötet.

Der Täter sagte vor dem Landgericht Deggendorf, „dass man dem Polen eine Abreibung verpassen müsse“. Bereits in der Vergangenheit hatte er Andreas Pietrzak gemeinsam mit anderen Neonazis misshandelt.

Das Gericht verurteilte den damals 19-Jährigen wegen Raubmordes zu einer neunjährigen Jugendstrafe. Obwohl das Gericht die „ausländerfeindliche Gesinnung“ im Urteil ausdrücklich feststellte, wurden weder Rassismus noch Sozialdarwinismus als führendes Motiv anerkannt.

Die Tat wird daher bis heute offiziell nicht als rechts motiviert eingestuft.

Erinnerung an Andreas Pietrzak

Erinnerung an Peter Siebert

Wir erinnern an Peter Siebert, der am 26.04.2008 von seinem Nachbarn, einem polizeibekannten Neonazi, in Memmingen ermordet wurde.

Peter Siebert hatte sich bei Alexander B. über dessen laute, rechte Musik beschwert und ihn für seine menschenverachtende Gesinnung kritisiert – wie schon häufig zuvor. Als er in dieser Nacht wegen des lauten Rechtsrocks zum zweiten Mal an der Wohnungstür des Nachbarn klopfte, folgte Alexander B. Peter Siebert in seine Wohnung und erstach ihn dort mit einem Bajonett.

Im Dezember 2008 verurteilte das Landgericht Memmingen Alexander B. zu acht Jahren und drei Monaten Haft – in einem Prozess, der nur einen Tag lang dauerte. Schuldig gesprochen wurde er wegen Totschlags, nicht wegen Mordes. Die Frage nach einem rechten Motiv des Täters, was Mord und eine deutlich höhere Strafe bedeutet hätte, spielte offenbar keine Rolle.

Später war die damalige schnelle Entscheidung selbst dem Vizepräsidenten des Landgerichts unangenehm, wie Recherchen der „Zeit“ und des „Tagesspiegel“ ans Licht brachten. Die Richter*innen hätten aufgrund der Geständigkeit des Täters „nicht mehr intensiv nachgeforscht“ und es dabei belassen, den „äußeren Sachverhalt“ zu klären, obwohl der Täter vor dem Prozess zugegeben hatte, er habe aufgrund seiner rechtsextremen Gesinnung mit Peter Siebert gestritten. Vizepräsident Mürbe sagte laut „Zeit“, ein rechtsextremer Hintergrund der Tat sei „wahrscheinlich“.
In der offiziellen Statistik der Todesopfer rechter Gewalt taucht Peter Siebert dennoch bis heute nicht auf.

Gedenken an Daniel Ernst

Gedenken an Daniel Ernst

Wir erinnern an Daniel Ernst, der am 19.10.2016 bei einem Polizeieinsatz in Georgensgmünd durch einen Reichsbürger erschossen wurde und infolge dessen am 20.10.2016 verstarb. Der Vorfall mit den tödlichen Schüssen auf den Polizisten jährt sich zum achten Mal.

Der Täter wurde am 23.10.2017 zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Der Polizeieinsatz erfolgte mit dem Ziel, dem Reichsbürger seine 31 Lang- und Kurzwaffen zu entziehen, da die Behörden ihn als nicht mehr zuverlässig eingestuft hatten.

Reichsbürger*innen erkennen die Bundesrepublik nicht an. Stattdessen behaupten sie, das Deutsche Reich bestehe bis heute fort. Sie sprechen dem Grundgesetz, Behörden und Gerichten die Legitimität ab und akzeptieren keine amtlichen Bescheide. Etliche Akteur*innen sind nach Einschätzung des Verfassungsschutzes auch in der rechten Szene aktiv.

Im bayerischen Innenministerium erinnert eine Gedenktafel an Daniel Ernst.

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Instagram Beitrag: https://www.instagram.com/p/DBS498SNd1k/

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