Rechte Morde in Bayern

Erinnerung an Theodoros Boulgarides

Erinnerung an Theodoros Boulgarides

Wir erinnern an Theodoros Boulgarides, der am 15.06.2005 in seinem Geschäft im Münchner Westend von der rechtsextremen Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ erschossen wurde.

Erst kurz zuvor hatte der zweifache Familienvater mit einem Geschäftspartner den Schlüsseldienst eröffnet. Für seine Familie und seine Freunde wurden die Mord-Ermittlungen zur Tortur. Statt einen rechten Tatzusammenhang zu untersuchen, verdächtigte die Polizei über Monate das persönliche Umfeld des Mordopfers und suchte das Motiv in der organisierten Kriminalität. Die Familie wurde infolge der Anschuldigungen ausgegrenzt, ihr gesellschaftliches Umfeld brach weg. Dies verdeutlicht erneut die fatalen Folgen der rassistischen Täter-Opfer-Umkehr, die die Ermittlungen im gesamten NSU-Komplex prägt.

An der Hauswand des Tatorts in der Trappentreustraße erinnert heute eine Gedenktafel an Theodoros Boulgarides.

Solidaritätsfestival

Am 20. Juni ab 15 Uhr lädt die Familie von Theodoros Boulgarides gemeinsam mit der Stadt München zu dem Solidaritätsfestival „VOICES UNITED – In Gedenken an Theodoros Boulgarides und alle Opfer des NSU ins Feierwerk ein.

kostenfrei & barrierefrei
Weitere Informationen unter muenchen-erinnern.de

Erinnerung an Abdurrahim Özüdoğru

Erinnerung an Abdurrahim Özüdoğru

Wir erinnern an Abdurrahim Özüdoğru, der am 13.06.2001 in seiner Änderungsschneiderei in der Gyulaer Straße in Nürnberg von der rechtsextremen Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ erschossen wurde.

Der damals 49-Jährige Abdurrahim Özüdoğru war das zweite Mordopfer des sogenannten NSU. Allein in Nürnberg tötete das rechte Terrornetzwerk drei Menschen. Noch immer sind viele Fragen offen, vor allem mit Blick auf lokale Unterstützungsnetzwerke des NSU und die Ermittlungen der Behörden. Diese waren – wie im gesamten NSU-Komplex – von rassistischer Täter-Opfer-Umkehr geprägt. So ermittelte die Polizei auch im Mordfall Abdurrahim Özüdoğru im Bereich der Drogenkriminalität und im direkten Umfeld des Opfers, statt Hinweisen auf einen rechten Tatzusammenhang nachzugehen.

In Nürnberg trägt seit 2023 eine kleine Grünfläche in der Südstadt den Namen Abdurrahim Özüdoǧrus.

Gedenkkundgebung

Zum Gedenken an Abdurrahim Özüdoğru findet am 13.06.2026 um 18:00 Uhr eine Kundgebung am Tatort in der Gyulaer Straße statt, die von der Nürnberger Initiative „Das Schweigen durchbrechen“ organisiert wird.

Erinnerung an İsmail Yaşar

Erinnerung an İsmail Yaşar

Wir erinnern an İsmail Yaşar, der am 09.06.2005 in seinem Imbiss an der Scharrerstrasse in Nürnberg von der rechtsextremen Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ erschossen wurde. İsmail Yaşar war das sechste Opfer des NSU.

İsmail Yaşar wurde in Alanyurt in der Türkei geboren und kam im Alter von 23 Jahren nach Deutschland. Er hatte bereits in verschiedenen Stellen gearbeitet, bevor er seinen eigenen Imbiss eröffnete – genau gegenüber der Scharrerschule, die damals auch sein Sohn besuchte.

Obwohl es etliche Hinweise auf einen rechten Hintergrund des Mordes gab, verdächtigten die Behörden lange Zeit Familienangehörige und suchten vergeblich Verbindungen zur organisierten Kriminalität. Die Ermittlungen im Mordfall İsmail Yaşar sind damit ein weiteres Beispiel für institutionellen Rassismus, der sich durch den gesamten NSU-Komplex zieht. Erst mit der Selbstenttarnung des NSU im Jahr 2011 wurde sichtbar, welche rassistischen Gerüchte seitens Behörden und Medien verbreitet wurden.

Gedenkkundgebung
Am 09.06.2026 findet um 18:00 Uhr eine Gedenkkundgebung an der Scharrerstraße statt, organisiert von der Nürnberger Initiative „Das Schweigen durchbrechen“.

Erinnerung an Andreas Pietrzak

Erinnerung an Andreas Pietrzak

Wir erinnern an Andreas Pietrzak, der in der Nacht zum 6. Mai 2006 in Plattling von einem Neonazi ermordet wurde. Der 19-jährige Täter hatte ihn schwer misshandelt und anschließend angezündet.

Der damals wohnungslose Andreas Pietrzak, der die deutsche und polnische Staatsbürgerschaft hatte, wurde aus rassistischen und sozialdarwinistischen Gründen getötet.

Der Täter sagte vor dem Landgericht Deggendorf, „dass man dem Polen eine Abreibung verpassen müsse“. Bereits in der Vergangenheit hatte er Andreas Pietrzak gemeinsam mit anderen Neonazis misshandelt.

Das Gericht verurteilte den damals 19-Jährigen wegen Raubmordes zu einer neunjährigen Jugendstrafe. Obwohl das Gericht die „ausländerfeindliche Gesinnung“ im Urteil ausdrücklich feststellte, wurden weder Rassismus noch Sozialdarwinismus als führendes Motiv anerkannt.

Die Tat wird daher bis heute offiziell nicht als rechts motiviert eingestuft.

Erinnerung an Peter Siebert

Erinnerung an Peter Siebert

Wir erinnern an Peter Siebert, der am 26.04.2008 von seinem Nachbarn, einem polizeibekannten Neonazi, in Memmingen ermordet wurde.

Peter Siebert hatte sich bei Alexander B. über dessen laute, rechte Musik beschwert und ihn für seine menschenverachtende Gesinnung kritisiert – wie schon häufig zuvor. Als er in dieser Nacht wegen des lauten Rechtsrocks zum zweiten Mal an der Wohnungstür des Nachbarn klopfte, folgte Alexander B. Peter Siebert in seine Wohnung und erstach ihn dort mit einem Bajonett.

Im Dezember 2008 verurteilte das Landgericht Memmingen Alexander B. zu acht Jahren und drei Monaten Haft – in einem Prozess, der nur einen Tag lang dauerte. Schuldig gesprochen wurde er wegen Totschlags, nicht wegen Mordes. Die Frage nach einem rechten Motiv des Täters, was Mord und eine deutlich höhere Strafe bedeutet hätte, spielte offenbar keine Rolle.

Später war die damalige schnelle Entscheidung selbst dem Vizepräsidenten des Landgerichts unangenehm, wie Recherchen der „Zeit“ und des „Tagesspiegel“ ans Licht brachten. Die Richter*innen hätten aufgrund der Geständigkeit des Täters „nicht mehr intensiv nachgeforscht“ und es dabei belassen, den „äußeren Sachverhalt“ zu klären, obwohl der Täter vor dem Prozess zugegeben hatte, er habe aufgrund seiner rechtsextremen Gesinnung mit Peter Siebert gestritten. Vizepräsident Mürbe sagte laut „Zeit“, ein rechtsextremer Hintergrund der Tat sei „wahrscheinlich“.

In der offiziellen Statistik der Todesopfer rechter Gewalt taucht Peter Siebert dennoch bis heute nicht auf.

Mord an Sandra R. in Thiersheim

Mord an Sandra R. in Thiersheim

Wir erinnern an Sandra R., die am 5. März 2023 in Thiersheim ermordet wurde.

Sandra R. wurde im Rahmen der Gerichtsverhandlung von ihrer Schwester M. als lebenslustige und liebevolle Mutter beschrieben, die in ihrer Familie, insbesondere in ihrem Lebensgefährten und ihren beiden Söhnen, den Mittelpunkt ihres Lebens fand.

Sandra R. wurde von ihrem zu diesem Zeitpunkt 20-jährigen Sohn getötet, der aus einem extrem rechten Weltbild heraus handelte, um die Impfung seines 11-jährigen Bruders zu verhindern. Das Landgericht Hof sprach eine Haftstrafe von 11 Jahren und die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus aus.

Es ist alarmierend, dass das Landgericht Hof das rechte Tatmotiv nicht als solches anerkannt und rechtlich gewürdigt hat. Diese Entscheidung wirft Fragen auf und lässt die Sorgen über die gesellschaftlichen Auswirkungen extrem rechter Ideologien in den Hintergrund treten. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass solche Motive – besonders auch in behördlichen Kontexten – klar benannt und angeprangert werden, um ein Bewusstsein für die Gefahren zu schaffen, die von extrem rechten Einstellungen ausgehen.

Gedenken an Franziska O.

Gedenken an Franziska O.

Wir erinnern an Franziska O. Das 12-jährige Mädchen wurde am 15.02.2014 von einem Neonazi entführt und in der Nacht zum 16.02.2014 in Neuburg an der Donau ermordet.

Der Täter, ein damals 26-Jähriger, war bereits wegen Sexualdelikten und Kinderpornographie vorbestraft. In sozialen Medien zeigte er deutlich seine rechte, frauenverachtende und gewalttätige Einstellung und war mit Neonazi-Gruppierungen vernetzt.

Am 11. Mai 2015 wurde er wegen Mordes und schwerer Vergewaltigung an Franziska O. zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Eine Pressemitteilung der Ermittlungsbehörden kurz nach der Tat enthielt keine Hinweise auf den politischen Hintergrund des Mörders. Bis heute wird der Mord an Franziska O. in Bayern nicht offiziell als rechter Mord anerkannt.

Beim AIDA-Archiv gibt es einen ausführlichen Artikel über die Tat:
https://www.aida-archiv.de/chronologie/16-februar-2014/

Anschlag auf Altersheim der israelitischen Kultusgemeinde München

Anschlag auf Altersheim der israelitischen Kultusgemeinde München

Wir erinnern an den antisemitischen Anschlag auf das Altersheim der Israelitischen Kultusgemeinde in München, der am 13.02.1970 verübt wurde. Sieben Menschen starben, 15 wurden verletzt.

Wir gedenken Regina Rivka Becher, Max Meir Blum, Leopold Arie Leib Gimpel, David Jakubowicz, Siegfried Offenbacher, Georg Eljakim Pfau und Rosa Drucker.

Der tödliche Brandanschlag wurde jahrelang nicht aufgeklärt und die Ermittlungen eingestellt. Im Jahr 2013 wurden die Ermittlungen erneut aufgenommen, nur um im Jahr 2017 ergebnislos eingestellt zu werden. Unter anderem wurden Beweise durch die Münchner Polizei verlegt und konnten so nicht mehr für die Ermittlungen herangezogen werden. Eine rechte Tatmotivation ließ sich dem Anschlag bisher nicht eindeutig zuordnen – allerdings bleibt er eine antisemitische Gewalttat, die sich in antisemitische Kontinuitäten in Deutschland einreiht. In der Stadt München geriet der Brandanschlag lange Zeit in Vergessenheit – erst im Jahr 2020, 50 Jahre nach der Tat, wurde eine Gedenktafel mit den Namen der Ermordeten errichtet.

Die Tat steht nun nach 56 Jahren offenbar vor der Aufklärung: Die 2025 erneut eingeleiteten Ermittlungen der Münchner Generalstaatsanwaltschaft konzentrieren sich auf einen 2020 verstorbenen Münchner, der laut Zeitungsberichten „aus seiner rechtsextremen Gesinnung keinen Hehl gemacht hatte“. Die im Vorfeld der Tat durch ihn geäußerten Beschimpfungen und Drohungen gegen Juden*Jüdinnen und explizit gegen das jüdische Altenheim wurden nun den Ermittlern gemeldet. Doch bereits Mitte der 1970er Jahre soll der Tatverdächtige den Brandanschlag gestanden haben – die Ermittler folgten jedoch den Hinweisen damals nicht. Eine Fokussierung der Ermittlungen auf mögliche linke Täter sowie unauffindbare Beweismittel führten dementsprechend dazu, dass die Tat mehr als 50 Jahre lang nicht aufgeklärt wurde.

Quelle: Süddeutsche Zeitung

Anschlag auf die Diskothek „Liverpool“

Anschlag auf die Diskothek „Liverpool“

Wir erinnern an den Anschlag auf die Diskothek „Liverpool“, der am 07.01.1984 in München verübt wurde. Insgesamt wurden 8 Menschen verletzt. Corinna Tartarotti, eine Barangestellte, erlag drei Monate später ihren schweren Verletzungen. Sie starb am 27.04.1984 in München.

Die Polizei ermittelte zunächst im sogenannten „Zuhältermilieu“ und zog die Möglichkeit eines rechten Anschlags nicht in Betracht. Erst als wenige Tage später ein Bekennerschreiben bei einer Mailänder Nachrichtenagentur einging, nahmen sie Ermittlungen gegen die Täter auf. Dabei verharmlosten sie jedoch weiterhin den politischen Hintergrund des Anschlags.
Verübt wurde die Tat von der neonazistischen „Gruppe Ludwig“, die zwischen 1977 und 1984 mindestens 15 Menschen in Italien und Deutschland ermordete.

Seit 2019 organisiert die „Antisexistische Aktion München“ das Gedenken und arbeitet seit Jahren daran, dass der rechtsterroristische Anschlag nicht in Vergessenheit gerät. Auf dem Blog werden viele Infos über den Anschlag zur Verfügung gestellt: https://asam.noblogs.org/

Das AIDA Archiv konnte 2021 die Grabstelle von Corinna Tartarotti übernehmen. Außerdem gelang es auch einen Kontakt zu ihrer Familie herzustellen. Weitere Informationen dazu gibt es auf der Webseite des AIDA Archivs: www.aida-archiv.de

Erst zum 40. Jahrestag des Anschlags hatte die Stadt München das Gedenken übernommen – ein wichtiger Schritt, den auch die „Antisexistische Aktion München“ explizit begrüßte. Auch im darauffolgenden Jahr übernahm die Stadt München die Organisation für das Gedenken. Außerdem wurde zum Jahrestag eine Gedenkstele in deutscher und englischer Sprache in der Schillerstraße 11a gesetzt. Diese soll an Corinna Tartarotti und an alle Betroffenen erinnern.

2026 organisiert die „Antisexistische Aktion München“ allerdings das Gedenken – in Absprache mit der Stadt München – wieder selbst. (Statement der Initiative über den Rückzug der Stadt München aus der Organisation)

Gedenkkundgebung am Tatort

Erinnern heißt Kämpfen – Kundgebung anlässlich des rechtsterroristischen Anschlags auf das „Liverpool“

07. Januar 2026 – 18:00 Uhr
Schillerstraße 11a, 80336 München

Mord an Shlomo Lewin und Frida Poeschke

Mord an Shlomo Lewin und Frida Poeschke

Wir erinnern an den Doppelmord an dem Rabbiner und Verleger Shlomo Lewin und seiner Lebensgefährtin Frida Poeschke, der am 19.12.1980 in ihrem Wohnhaus in Erlangen von einem Mitglied der „Wehrsportgruppe Hoffmann“ verübt wurde.


Die Ermittlungen in dem Fall fokussierten sich zunächst auf angebliche kriminelle Machenschaften des ermordeten Shlomo Lewin und dessen Umfeld. Dabei gab es starke Beweise dafür, dass das Paar von Anhängern der neonazistischen Vereinigung „Wehrsportgruppe Hoffmann“ ermordet wurde.

Bis heute ist die Tat nicht völlig aufgeklärt. Die Ermittlungen führten schließlich zur „Wehrsportgruppe Hoffmann“. Am Ende des 186-tägigen Prozesses galt ein zu diesem Zeitpunkt verstorbenes Mitglied der WSG als Einzeltäter. Beweise für eine Mittäter*innenschaft des Gründers der Wehrsportgruppe sowie seiner Lebensgefährtin wurden durch das Gericht nicht ernstgenommen.

Das antisemitische Motiv der Morde wurde völlig verkannt. Sowohl die Reaktionen der Mehrheitsgesellschaft als auch die polizeilichen Ermittlungen im Umfeld der Ermordeten waren von antisemitischen Stereotypen geprägt.

Diese antisemitischen Morde und ihr rechtsterroristischer Hintergrund dürfen nicht in Vergessenheit geraten. Der Einsatz von Shlomo Lewin und Frida Poeschke für jüdisches Leben, gegen Neonazis und Antisemitismus dürfen nicht in Vergessenheit geraten.

Gedenken
Kundgebung: Samstag, 20.12.2025 um 18:30 Uhr am Hugenottenplatz in Erlangen.


Was bleibt, wenn es gewesen ist? – Erinnerungsraum und Ausstellung
Noch bis 20.12.2025 – Goethestr. 29, 91054 Erlangen

Weitere Infos gibt es bei der @initiative.kritisches.gedenken (instagram).