Wir erinnern an Carlos Fernando, der am 15.08.1999 vor der „Cubana-Bar“ in Kolbermoor im Streit um ein zugeparktes Auto körperlich angegriffen wurde und infolge dessen am 30.09.1999 verstarb.
Der Täter äußerte sich vor und während der Tat rassistisch. Zudem wurden in seiner Wohnung Beweise für eine Vernetzung in rechten Strukturen gefunden. Dennoch wurde der rechte Hintergrund der Tat durch das Landgericht Traunstein (Oberbayern) nicht anerkannt – im Gerichtsurteil wurde stattdessen von einer Tat „ohne nachvollziehbaren Anlass“ gesprochen, in der der Täter „rücksichtslos und mit großer Brutalität und Gewaltbereitschaft vorgegangen“ sei. Der damalige Bürgermeister Ludwig Reimeier nannte die Tat „ein[en] Fall ganz normaler Kriminalität“. Hier zeigt sich die strukturelle Verharmlosung von rechter Gewalt, mit der diese immer wieder unsichtbar gemacht wird.
Im Jahr 2019 wurde die Plakette der Gedenktafel, die auf dem Alten Friedhof der Stadt Kolbermoor an Carlos Fernando erinnerte, gestohlen. Umgehend wurde eine neue Tafel von der Stadt angebracht, die den rechten Hintergrund der Tat deutlicher benennt. Nun steht dort: „Carlos Fernando – Opfer einer feigen rassistischen Gewalttat.“
Podcast: https://www1.wdr.de/radio/cosmo/podcast/schwarzrotblut/schwarz-rot-blut-carlos-fernando-100.html




