Chronik rechter Gewalt.

Die Grundlage der bayernweiten Chronik bilden Vorfallsmeldungen, Mitteilungen verschiedener Kooperationspartner, sowie eine regelmäßige Auswertung von Zeitungen, Polizeimeldungen und Internetquellen. Darüber hinaus finden auch Vorfallsschilderungen von Beratungsnehmer*innen hier Platz, sollte das gewünscht sein.

Die Chronik ist unvollständig. Sie enthält lediglich die Vorfälle rechter Gewalt in Bayern, die B.U.D. bekannt wurden. Grundsätzlich gelten für die Chronik die gleichen Erfassungskriterien wie für die Statistik, die B.U.D. führt. Darüber hinaus können auch Beschimpfungen, Schmierereien und einfache Sachbeschädigungen Eingang in die Chronik von B.U.D. finden, wenn von einer rechten Tatmotivation auszugehen ist und eine bestimmte Entwicklung rechter Strukturen dadurch deutlich wird.

Vorfälle rechter Gewalt, bei denen die Betroffenen eine Veröffentlichung nicht wünschen, werden in dieser Chronik auch nicht öffentlich gemacht. In unserer Jahresstatistik werden hingegen alle erfassten Fälle rechter Gewalt einfließen.

Neben der bayernweiten Chronik von B.U.D. findet sich unter www.muenchen-chronik.de eine dezidierte Sammlung aller in München bekannt gewordener Vorfälle rechter Angriffe, Aktivitäten und Diskriminierungen. Bei der München-Chronik handelt es sich um ein Gemeinschaftsprojekt der FIRM, a.i.d.a. und BEFORE. Darüber hinaus gibt es ein bayernweites Monitoring von antisemitischen Vorfällen durch RIAS Bayern. Die entsprechende Chronik von RIAS Bayern findet sich hier.

Hinweis: Die Chronik versucht keinen zeitlich chronologischen Überblick zu geben, da es oftmals mehrere Monate oder gar Jahre dauert, bis uns bestimmte Vorfälle rechter Gewalt bekannt werden. Daher ist die Chronik nach Einstelldatum sortiert. Im jeweiligen Chroniktext selbst steht jedoch das entsprechende Vorfallsdatum. Hierdurch wird deutlich, wie lange es manchmal dauert, bis wir von einzelnen Vorfällen erfahren.

Rassistischer Angriff auf Jugendliche

Am 30.05.2026 kam es am Abend auf einem Spielplatz in Aschaffenburg zu einem rassistischen Angriff auf zwei Jugendliche.

Ein Mann ging gegen 21:30 Uhr auf eine Gruppe Jugendlicher zu und beleidigte dabei einen 18-Jährigen rassistisch. Im Verlauf der Auseinandersetzung wurden sowohl der 18-Jährige als auch ein 15-Jähriger körperlich von dem Mann angegriffen und geschlagen.

Weitere Jugendliche aus der Gruppe kamen den Betroffenen zu Hilfe. Der Angreifer entfernte sich vom Angriffsort. Die verletzten Jugendlichen begaben sich zur medizinischen Abklärung in ärztliche Behandlung.

Quelle:

https://www.polizei.bayern.de/aktuelles/pressemitteilungen/103558/index.html

Antisemitischer Angriff auf DIG-Mitglied in Höchberg

Am 20. Juli 2026 wurde ein 65-jähriger Mann in Höchberg bei Würzburg nach einer verbalen Auseinandersetzung mit einem 20-Jährigen schwer verletzt. Der Betroffene, der Mitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) Würzburg ist, trug eine Israelflagge an seiner Kleidung und wurde deshalb israelfeindlich angesprochen. Im weiteren Verlauf wurde er körperlich angegriffen und erlitt unter anderem Kopfverletzungen und einen Knochenbruch. Er musste im Krankenhaus behandelt werden.

Der 20-jährige Tatverdächtige wurde noch vor Ort festgenommen und befindet sich inzwischen wegen des Verdachts des versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung in Untersuchungshaft. DIG-Präsident Volker Beck zeigte sich schockiert und verwies darauf, dass Menschen, die sich als jüdisch oder israelfreundlich erkennen lassen, nicht um ihre Sicherheit fürchten dürfen.

Auf einer Mahnkundgebung des DIG Würzburg wurden persönliche Worte des Betroffenen zum Angriff verlesen. Er schreibt unter anderem „Die überall verstandene und überall wiederholte Hass-Sprache der Gewalt. […] Das ist das, wogegen wir uns richten. Es ist Zeit den Hass zu beenden, ihm entgegenzutreten und sich nicht klein und ohnmächtig machen zu lassen, verlacht von den Hassern, sondern es ist an der Zeit, weiter aufzustehen. Für das Leben […] Am Israel Chai.“

Quellen:

https://www.juedische-allgemeine.de/politik/mann-wegen-israel-anstecker-schwer-verletzt

https://www.nordbayern.de/franken/wuerzburg/polizeibericht/israelfeindliches-motiv-mann-mit-schlagen-und-tritten-gegen-den-kopf-in-franken-schwer-verletzt-1.15209082

Morddrohungen, Steinwurf und weitere Angriffe auf Landratskandidaten der Linken

Im Landkreis Neustadt an der Waldnaab wurde der diesjährige Landratskandidat der Partei die Linke, Simon Escher-Herzog, während und auch nach dem Wahlkampf mehrfach angegriffen. Nach dem Aufhängen der Wahlplakate erhielt der Beratungsnehmer Anfang Februar einen Brief, in dem er wüst beschimpft und ihm mit Gewalt und Mord gedroht wurde, sollte er seine Kandidatur nicht zurückziehen. Außerdem wurde ein zerstochenes Wahlplakat mit seiner Person in seinem Garten platziert.

Nicht lange danach folgte nachts ein Steinwurf in das Schlafzimmer des Betroffenen. Der große Stein war in einen Zeitungsartikel über den Landratskandidaten gewickelt. Glücklicherweise war er nicht im Raum und konnte dem Angriff so entgehen. Diese sehr gewaltvollen Einschüchterungsversuche sollten darauf abzielen, den Politiker zum Rückzug zu bewegen. Doch Simon Escher-Herzog ließ sich davon nicht einschüchtern, trotz der sehr hohen Belastung. Auch eine Solidaritätskundgebung, organisiert durch das Oberpfälzer Bündnis für Toleranz und Menschenrechte, fand Ende Februar in Neustadt a. d. Waldnaab statt.

Nach dem Einzug in den Kreistag ging es weiter. Anfang April beschmierten Unbekannte die Gartenmauer des Politikers mit einer erneuten massiven Drohung.

Es wurden Anzeigen wegen Bedrohung mit Verbrechenstatbestand, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch gestellt.

Quellen:

https://www.onetz.de/oberpfalz/neustadt-waldnaab/morddrohung-gegen-landratskandidaten-linken-staatsschutz-ermittelt-id5293804.html

https://www.onetz.de/oberpfalz/neustadt-waldnaab/drohschreiben-steinwurf-haus-landratskandidaten-linken-id5297300.html

AfD-Gegner erlitt schwere Verletzungen nach Angriff

Die Staatsanwaltschaft Kempten ermittelt gegen einen AfD-Politiker, dem ein tätlicher Angriff auf einen 61-jährigen AfD-Gegner in der Nacht vom 16. auf den 17.05.2026 vorgeworfen wird. Diesem Angriff soll eine Auseinandersetzung in einer Bar vorausgegangen sein. Nach Recherchen der Zeitung „Der Westallgäuer“ erlitt der Betroffene durch mehrere Fußtritte schwere Verletzungen und musste mehrere Tage stationär im Krankenhaus behandelt werden. Aufgrund der massiven Verletzungen erstattete der 61-Jährige über seinen Anwalt Anzeige, wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchtem Totschlag. Weitere Informationen können den Artikeln (Paywall) des „Westallgäuers“ entnommen werden.

Quellen:

https://www.allgaeuer-zeitung.de/weiler/staatsanwaltschaft-ermittelt-wegen-schwerer-koerperverletzung-gegen-afd-politiker-christian-thomas-114743956

https://www.allgaeuer-zeitung.de/weiler/61-jaehriger-zeigt-afd-politiker-christian-thomas-an-nach-vorfall-in-lindenberg-vorwurf-versuchter-totschlag-114791645

Rassistische Beleidigungen und Nötigung

Die Betroffene wollte am 22.04.2026 eine Brücke in Amberg überqueren, als ihr von einem Mann der Weg versperrt wurde. In der darauffolgenden Diskussion wurde sie vom Täter rassistisch beleidigt, wobei der Täter sie am Fahrrad festhielt, um sie am Weiterfahren zu hindern. Zwei weitere Personen kamen hinzu und äußerten sich ebenfalls rassistisch. Ein unbeteiligter Zeuge handelte couragiert und unterstützte die Betroffene. Sie erstattete am gleichen Tag Anzeige.

Quelle: Betroffene

Angriff durch AfD-Wahlkampfhelfer*innen

In der Nacht vom 24. auf den 25. Januar 2026 kam es beim Aufhängen von Wahlplakaten in der Hans-Böckler-Straße zu einer Auseinandersetzung zwischen dem OB-Kandidaten der V-Partei³ und einer Gruppe von Personen, die für die AfD plakatierte. Nach Schilderung des Betroffenen gingen der körperlichen Konfrontation Beleidigungen voraus. Außerdem sei er durch einen sogenannten „Bodycheck“ angerempelt worden. Eine polizeiliche Aufnahme des Vorfalls erfolgte nicht. Der Betroffene schilderte die Situation als belastend und hob hervor, dass Begegnungen mit Wahlkampfhelfer*innen anderer Parteien in derselben Nacht respektvoll und konfliktfrei verlaufen seien.

Quelle:

https://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/bodycheck-beim-plakatieren-augsburger-stadtrat-berichtet-von-zusammenstoss-mit-afd-helfern-113272951

Rechte Angriffe durch zwei Jugendliche

Nachdem ein Mann am 04.06.2026 rassistische Beleidigungen gemeldet hatte, nahm die Polizei die zwei tatverdächtigen Jugendliche im Alter von 13 und 17 Jahren in Urspringen fest. Ihnen wird vorgeworfen, den Mann sowie auch weitere Menschen rassistisch beleidigt und mit Gegenständen beworfen zu haben. Die Polizei prüft zudem eine mögliche Beteiligung der beiden an der Beschädigung einer Fensterscheibe einer Synagoge Ende Mai.

Quellen:

https://www.polizei.bayern.de/aktuelles/pressemitteilungen/103767/index.html

Queerfeindliche Körperverletzung

Der Betroffene befand sich am 05.05.2026 in Königsbrunn, als er von Jugendlichen queerfeindlich beleidigt und später mit Steinen beworfen wurde. Der Betroffene wurde am Hals getroffen und rief die Polizei, die daraufhin nach den Tätern fahndete. Der Betroffene erstattete Anzeige.

Quelle: Betroffener

Gerichtsprozess offenbart rassistische Äußerungen nach Tötungsversuch

Am 16. August 2025 wurde ein 24-Jähriger Patient einer Psychiatrie mit irakischer Staatsangehörigkeit von einem 33-Jährigen Mitpatienten brutal und anlasslos niedergestochen. Der Betroffene konnte nur durch eine Notoperation gerettet werden und leidet bis heute unter halbseitigen Lähmungserscheinungen. Wie sich nun im Gerichtsverfahren mit dem Betroffenen in der Nebenklage herausstellte, äußerte sich der Täter unmittelbar nach der Tat rassistisch. Das Gericht urteilte, Rassismus sei nicht die Tatmotivation gewesen – der Täter ist schizophren und wird wegen seiner Schuldunfähigkeit dauerhaft in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht werden.

Quellen:

https://www.mittelbayerische.de/lokales/stadt-regensburg/messer-attacke-auf-iraker-im-bkh-in-regensburg-war-kein-mordversuch-21195361

https://www.idowa.de/regionen/woerth-und-regensburg/regensburg/versuchter-totschlag-bkh-messerstecher-in-regensburg-verurteilt-art-396124

Mehrere Sachbeschädigungen in wenigen Tagen

In Bad Berneck haben Täter vom 01. bis 04. Juni 2026 insgesamt drei schwerwiegende Sachbeschädigungen verübt: Am Montag besprühten sie den Transporter eines Fahrdienstes für Menschen mit Behinderung, am Mittwoch einen geparkten PKW und am Donnerstag einen Aufzug sowie ein Etagenschild in einem Mehrfamilienhaus. Es wurden menschenfeindliche, rassistische und rechtsextreme Zeichen bzw. Parolen genutzt. Die Polizei ermittelt wegen Sachbeschädigung sowie des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

Quelle:

https://www.bayreuther-tagblatt.de/nachrichten-meldungen-news/auto-in-bad-berneck-mit-hakenkreuzen-und-parolen-beschmiert-kripo-sucht-zeugen/